CLAUDIA HEIM /art

Poesie

Wenn die Zeit dafür reif ist, schreibe ich Gedichte, Geschichten, experimentiere ich mit Feder und Tinte…

...mal nachdenklich:


Für alle Kinder

 

Mit Zahnlücke stand er an der Ecke,
gut versteckt hinter einer Hecke
und horcht, was die Erwachsnen reden,
sie wissen Alles über Jeden.

 

Sitzen angespannt und rauchen,
„Kann man das im Leben brauchen?“
So fragte sich der kleine Junge;
den Kaugummi knatschend mit der Zunge.

 

Jetzt war er fast sieben Jahre alt
und wußte, daß man mit Gewalt,
keine Streitereien lösen kann.
So sagte es jedenfalls ein Mann,
den er im Fernsehen hat gesehen –
doch konnte er es nicht verstehen,
daß Menschen mit Kanonen schossen,
aus Kinderaugen Tränen flossen.

 

Warum wollen Erwachsne bei Kindern
das, was sie selber tun, verhindern?
Er beschloß, sich hinzuzugesellen
und den Großen die Frage zu stellen.

 

Ob der Störung war`n sie ärgerlich:
„Mein Kind, das ist noch nichts für dich.
Dafür bist du noch zu klein –
und nun geh, und spiel recht fein!“

 

Draufhin faßte der Junge all seinen Mut
und spürte, es ist richtig.
Denn was er im Augenblicke tut,
ist für ihn später wichtig.

 

Den Körper aufrecht, die Stimme klar,
so traute er sich zu sagen:
„Es stimmt, noch bin ich erst sechs Jahr –
und doch stell ich solche Fragen.

 

So gebt mir Antwort, erfüllt mir die Bitte!“
Er glaubte zu verzagen.
Da erhob sich einer aus ihrer Mitte,
um mit leiser Stimme zu sagen:

 

„Antwort können wir nicht geben –
wissen sie selber nicht.
So hilflos sind wir oft im Leben –
und halten doch Gericht!“

 

Er nahm den Jungen auf den Schoß
und fing still an zu weinen.
„In Wahrheit sind die Kinder groß,
und wir sind nur die Kleinen!“

 

von Claudia Heim